Buchhaltung · Zahlungsverkehr
Skonto buchen: der Abzug ändert die Bemessungsgrundlage
Ein Skontoabzug ist keine Kleinigkeit für die Zahlungsbuchung, sondern eine Änderung der Bemessungsgrundlage. Rechnung und Zahlung stimmen nicht überein, und die Differenz betrifft nicht nur den Nettobetrag, sondern auch die Umsatzsteuer. Wer die Restdifferenz einfach ausbucht, verschiebt Vorsteuer oder Umsatzsteuer – und genau darauf schaut die Umsatzsteuer-Sonderprüfung.
Warum zwei Buchungen nötig sind
Zum Zeitpunkt der Rechnung steht noch nicht fest, ob der Skontoabzug in Anspruch genommen wird. Deshalb wird die Rechnung immer mit dem vollen Betrag erfasst – auf der Einkaufsseite als Aufwand plus Vorsteuer gegen das Kreditorenkonto, auf der Verkaufsseite als Forderung gegen Erlöse plus Umsatzsteuer.
Erst die Zahlung innerhalb der Skontofrist macht den Abzug endgültig. Dann wird das Personenkonto mit dem ursprünglichen Rechnungsbetrag ausgeglichen, während das Geldkonto nur den tatsächlich geflossenen Betrag aufnimmt. Die Differenz landet auf dem Skontokonto, und die darin enthaltene Steuer wird berichtigt.
Rechtlicher Anknüpfungspunkt ist § 17 Abs. 1 UStG: Ändert sich die Bemessungsgrundlage, sind Umsatzsteuer und Vorsteuerabzug in dem Voranmeldungszeitraum zu berichtigen, in dem die Änderung eintritt. Eine Korrektur der ursprünglichen Rechnung ist dafür nicht erforderlich.
Die Konten
- Erhaltene Skonti bei 19 Prozent Vorsteuer: SKR03 3736, SKR04 5736 – Ausweis bei den Aufwendungen für bezogene Waren und Leistungen.
- Gewährte Skonti bei 19 Prozent Umsatzsteuer: SKR03 8736, SKR04 4736 – Ausweis als Minderung der Umsatzerlöse.
- Geldkonto Bank: SKR03 1200, SKR04 1800.
- Vorsteuer 19 Prozent: SKR03 1576, SKR04 1406; Umsatzsteuer 19 Prozent: SKR03 1776, SKR04 3806.
- Für den ermäßigten Steuersatz und für steuerfreie Umsätze gibt es jeweils eigene Skontokonten – die Wahl des richtigen Kontos ersetzt die manuelle Steuerkorrektur.
- Die Skontokonten mit Steuersatz sind in beiden Kontenrahmen als Automatikkonten angelegt: Es wird nur der Bruttobetrag erfasst, die Steuer wird daraus abgeleitet.
Zwei Beispiele
Erhaltenes Skonto auf eine Lieferantenrechnung
Rechnung über 1.190 Euro brutto, 2 Prozent Skonto, überwiesen werden 1.166,20 Euro. Bei der Zahlung wird das Kreditorenkonto mit 1.190 Euro belastet; im Haben stehen 1.166,20 Euro Bank und 23,80 Euro auf dem Konto erhaltene Skonti 19 Prozent. Aus dem Skontobetrag werden 3,80 Euro Vorsteuer korrigiert, 20 Euro mindern den Aufwand.
Gewährtes Skonto auf eine Ausgangsrechnung
Ausgangsrechnung über 1.190 Euro brutto, der Kunde zieht 2 Prozent und zahlt 1.166,20 Euro. Das Bankkonto nimmt 1.166,20 Euro auf, das Konto gewährte Skonti 19 Prozent 23,80 Euro; im Haben wird das Debitorenkonto mit den vollen 1.190 Euro ausgeglichen. Die Umsatzsteuer mindert sich um 3,80 Euro.
Wenn kein Automatikkonto genutzt wird
Läuft der Skontobetrag über ein Konto ohne hinterlegten Steuersatz, muss die Steuerkorrektur von Hand gebucht werden – im obigen Fall 20 Euro auf das Skontokonto und 3,80 Euro auf das Vorsteuerkonto. Das ist zulässig, aber fehleranfällig; das Automatikkonto ist der sicherere Weg.
Randfälle, die häufig vorkommen
- Skonto auf eine Anlagenrechnung mindert die Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 Satz 3 HGB – es ist kein Ertrag und gehört nicht auf das Skontokonto, sondern auf das Anlagekonto.
- Skonto auf Wareneinkauf mindert die Anschaffungskosten der Ware und damit auch die Bewertung des Bestands.
- Zieht ein Kunde Skonto, obwohl die Frist abgelaufen ist, entsteht wirtschaftlich dasselbe Ergebnis: Die Bemessungsgrundlage ändert sich, sobald die Minderung endgültig ist.
- Bei Rechnungen mit unterschiedlichen Steuersätzen ist der Skontobetrag im Verhältnis der Entgelte aufzuteilen.
- Bei Reverse-Charge-Rechnungen gibt es keine ausgewiesene Steuer; die Korrektur betrifft dann die selbst berechnete Steuer und die Vorsteuer gleichermaßen.
- Bei Ist-Versteuerung mindert der Skontoabzug die Bemessungsgrundlage bereits im Zeitpunkt des Zahlungseingangs.
So läuft der Fall in unserer Software
- Kommt der Bankumsatz herein, ordnet die Bankanbindung ihn der offenen Rechnung zu und erkennt die Differenz als Skonto.
- Der Zahlungsvorschlagslauf zeigt zum Stichtag die fälligen Rechnungen und die ablaufenden Skontofristen, damit der Abzug nicht durch Terminversäumnis verfällt.
- Die offenen Posten bleiben nach dem Ausgleich auf null – ein stehen gebliebener Restbetrag von wenigen Euro entsteht gar nicht erst.
- Für die Kundenseite gibt es Kundenkontoauszug und Zahlungsavis als PDF, damit der Abzug gegenüber dem Kunden nachvollziehbar bleibt.
- Die Steuerkorrektur läuft über den Steuerschlüssel und landet automatisch in der Umsatzsteuervoranmeldung.
Typische Fehler beim Skonto
- Die Differenz wird als sonstiger Ertrag oder Aufwand ausgebucht, ohne die Steuer zu berichtigen.
- Der Skontobetrag wird netto auf das Skontokonto gebucht, obwohl ein Automatikkonto den Bruttobetrag erwartet.
- Skonto auf eine Anlagenrechnung wird als Ertrag erfasst statt als Minderung der Anschaffungskosten.
- Bei gemischten Steuersätzen wird der gesamte Skontobetrag dem Regelsteuersatz zugeordnet.
- Der offene Posten bleibt mit einem Restbetrag stehen und taucht Monate später im Mahnlauf auf.
Häufige Fragen
Muss der Lieferant eine berichtigte Rechnung schicken?
Nein. Bei einer Entgeltminderung durch Skonto sind Umsatzsteuer und Vorsteuer nach § 17 Abs. 1 UStG in dem Zeitraum zu berichtigen, in dem die Änderung eintritt. Eine Rechnungsberichtigung ist dafür nicht erforderlich.
Auf welches Konto gehört ein erhaltenes Skonto?
Auf erhaltene Skonti mit dem passenden Steuersatz, bei 19 Prozent auf SKR03 3736 beziehungsweise SKR04 5736. Der Ausweis erfolgt als Minderung der Aufwendungen für bezogene Waren und Leistungen.
Wie buche ich Skonto auf den Kauf einer Maschine?
Nicht über das Skontokonto. Anschaffungspreisminderungen sind nach § 255 Abs. 1 Satz 3 HGB von den Anschaffungskosten abzusetzen; die Buchung erfolgt daher auf dem Anlagekonto, die Vorsteuer wird entsprechend berichtigt.
Was gilt bei einer Rechnung mit 7 und 19 Prozent?
Der Skontobetrag ist im Verhältnis der Entgelte auf beide Steuersätze aufzuteilen und auf die jeweiligen Skontokonten zu buchen. Nur so stimmen die Bemessungsgrundlagen in der Voranmeldung.
Lohnt sich Skonto überhaupt?
Rechnerisch fast immer: 2 Prozent Skonto bei 20 Tagen kürzerer Zahlungsfrist entsprechen einer sehr hohen Verzinsung aufs Jahr gerechnet. Ein Zahlungsvorschlagslauf, der die ablaufenden Skontofristen zum Stichtag anzeigt, ist deshalb bares Geld.
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